So bringst du deine Zuschauer zum staunen – blinde Angebote

So bringst du deine Zuschauer zum staunen – blinde Angebote

So bringst du deine Zuschauer zum staunen – Blinde Angebote

Wenn wir Improvisieren, begeben wir uns in eine Welt, die wir vorher noch nicht kannten. Wir entdecken sie im Spielen und das Publikum entdeckt sie durch uns.

Damit diese Welt jedoch in sich stimmig und zusammenhängend erscheint, müssen die Spieler sich einig sein. Sie müssen die Spielangebote bzw. die Tatsachenbehauptungen des anderen verstehen und annehmen.

Wenn wir die Angebote unserer Mitspieler jedoch nicht verstehen, kann es schnell zu Verwirrung auf der Bühne und im Publikum kommen. Um das zu verhindern, mag es sinnvoll scheinen, die Angebote überdeutlich zu machen.

Zum Beispiel indem wir die Szene erklären:

„Peng, ich hab dein Pferd erschossen!“

 

Doch dieses Erklären wirkt schnell plump und unelegant. Wer kennt nicht diese nervigen Filme, die am Anfang zu viel erklären?

Nun haben aber Filme ein Drehbuch. Wir irrsinnigen Improspieler wissen noch gar nichts über die Szene und die Welt, in die wir uns gleich reinbegeben.

Was aber wäre, wenn wir die Welt einfach spielend entdecken und erst nach und nach definieren.

Genau das machen Blinde Angebote. Sie betasten die Welt und erzählen erst dann, wie sie aussieht.

Ein Spieler kommt auf die Bühne und nimmt etwas staunend vom Boden. Würde er jetzt die Szene erklären wollen, könnte er einen Satz hinzufügen wie: „Mein neues Fernsteuerauto!“ Oder schlimmer „Danke Papa für das Fernsteuerauto, dass du mir zu Weihnachten geschenkt hast!“.

Natürlich weiß jetzt jeder Mitspieler und auch das Publikum, wo wir sind, wer mitspielt und worum es geht. Die Welt ist klar definiert. Aber es wirkt plump und unnatürlich. Kein Mensch spricht in der Realität so. In schlechten Filmen kommt das dennoch manchmal vor, häufiger jedoch auf Improbühnen.

Ein irrsinniger Improspieler würde erst mal nur staunen. Jetzt könnte ein Spieler dazu kommen und schimpfen: „Albert, lässt du gefälligst meine Kristallkugel stehen!“

Dieser Satz wirkt natürlich, die Welt wird sichtbarer und es bleibt weiterhin noch Spielraum für „Albert“.

Fairerweise muss ich sagen, dass solche offenen bzw. Blinden Angebote für Anfänger erst mal überfordernd sein können. Das schnelle definieren muss erst trainiert werden.

 

Blindes Geschenk

Eine schöne Übung ist „Blindes Geschenk“ von Keith Johnstone.

  1. Spieler A überreicht B feierlich ein Geschenk.
  2. Spieler B definiert worum es sich dabei handelt mit einem Satz wie:
    „Ein Eichhörnchen, das habe ich mir schon immer gewünscht!“

 

Variation:
Man kann diese Übung dadurch variieren, dass Spieler A das Geschenk schon etwas vordefiniert, indem er z.B. die Größe und Form mimt.

 

Blinde Szenenanfänge

Eine weitere gute Übung ist, Szenen mit Blinden Angeboten zu beginnen. Spannend wir es, wenn die Angebote nicht gleich definiert werden sondern durch weitere Blinde Angebote ausgestaltet werden. Irgendwann kann es jedoch richtig unmöglich werden, eine Erklärung zu finden.

Ein Beispiel:

Ein Spieler kommt auf die Bühne, setzt sich und weint.

Ein zweiter kommt hinzu und sagt:

„Die Zeit!“

immer noch weinend „Dalien!“

„Sogar Opa Fridolin…“

„Ich wollte Magnolien!“

„Wenn du die Gäste noch länger warten lässt…“

„Ja, Papa ich komme ja schon!“

Sie gehen ab. Es spielt der Hochzeitsmarsch.

 

Fazit

Wenn wir als irrsinnige Bühnenkünstler einen überzeugenden, eleganten und überraschenden Einstieg in die Szenen und Geschichten improvisieren wollen, ist ein blinder Einstieg der beste Weg dort hin.

Abgesehen davon, sind es die Herausforderungen, die Möglichkeit des Scheiterns, die unsere Spielenergie irrsinnig steigert. Wenn wir nicht wissen, ob wir eine Erklärung für unser Blindes Angebot finden, begeben wir uns in die Funny Zone, den Adrenalin-Flow, die irrsinnige Spielenergie.

 

Quellen:

„Theaterspiele“ – Keith Johnstone

http://www.danrichter.de/impro/06/improgedankenjun06.htm

http://www.improphil.ch/improtheater/glossar/showterm.asp

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