Was Mythen und Blockbuster dir über gutes Storytelling beibringen können – Die Heldenreise

Was Mythen und Blockbuster dir über gutes Storytelling beibringen können – Die Heldenreise

Du hast jetzt einen mitreißenden Helden? Ein Publikum, das seine Geschichte hören möchte und an deinen Lippen hängt? Jetzt möchtest du mit diesen gemeinsam auf die Reise deiner Geschichte gehen?

Erst mal vorweg: dann leg einfach los und schau was passiert.

Aber Halt… Stopp! Warte mal. Bevor du auf die Reise gehst, möchte ich dir noch eine kleine Landkarte mitgeben. Diese Landkarte soll dir helfen, falls du dich verirrst oder nicht mehr weiter weißt.

Ich spreche von der viel gerühmten und ab und zu (zurecht) verschrienen Heldenreise (auch als Monomythos bezeichnet). Dabei handelt es sich um ein Muster, das der Mythenforscher Joseph Campbell in unzähligen Mythen, Märchen und Legenden wiedergefunden hat.

Dieses Muster wurde von Christopher Vogler in seinem Buch ‚The writers journey’ für das Schreiben von Drehbüchern adaptiert. Etliche Hollywoodblockbuster basieren auf dieser Arbeit (z.B. Star Wars, Indiana Jones, John Carter)

Ich möchte dir heute aber nicht einfach nur diese „Landkarte“ mitgeben, sondern dir vor allem effektive Möglichkeiten zeigen, damit zu arbeiten. Aber jetzt schauen wir uns erst mal an, wie diese Reise aussieht und welche Stationen dein Held durchlaufen kann.

 

Die Heldenreise

1. Der Ruf des Abenteuers

Zu beginn jedes Abenteuers gibt es den Moment, in dem klar ist, es kann so nicht weiter gehen. Es muss sich etwas ändern. Entweder ist die Welt schon vorher nicht so genial oder es passiert etwas, das sie aus den Angeln hebt.

Wer die Welt retten soll? Natürlich dein Held. Und das musst du auch klar machen. Er wird vom Abenteuer gerufen. Er ist der Einzige, der diesen Missstand aus der Welt schlagen kann. Er ist der Auserwählte.

Eine Backanleitung für einen solchen Helden kannst du hier finden.

 

2. Die Weigerung

Der Einzige, bei dem diese Nachricht nicht richtig ankommt, ist dein Held. Er glaubt nicht an sich und weigert sich, dieses Abenteuer zu beschreiten.

Hier kannst du ihm auch gerne einen Freund zur Seite stellen, der ihm klar macht, dass er der Richtige ist. Ein Sidekick der ihn anfeuert. Dieser Sidekick hat keine Ambitionen selber ein Held zu werden, glaubt aber voll und ganz an seinen Freund.

Dieser Gefährte kann deinen Helden aber wie der gute Sam Gamdschie auf das Abenteuer begleiten.

 

3. Der Mentor

Auf seiner Reise trifft dein Held irrsinnige und geniale Typen. Sehr hilfreich für ihn wird die Begegnung mit einem Mentor sein. Ein alter Veteran, der das ganze Spiel schon hinter sich hat. Er ist zu alt um selber die Welt zu retten, weiß aber viel und kann deinen Helden gut vorbereiten.

Oft bekommt der Held von seinem Mentor auch einen Gegenstand, der ihm in größter Not das Leben retten kann. Also ein wirklich cooler Kerl. Um bei Herr der Ringe zu bleiben, werfe ich jetzt einfach mal Gandalf in den Schicksalsberg. Äh… 😉

 

4. Die erste Schwelle

Wenn sich dein Held überwindet und checkt, dass er der Auserwählte ist, überschreitet er die erste Schwelle. Jetzt beginnt die eigentliche Reise. Es kann sein, dass dein Held wie Frodo eine wirkliche Reise antritt. Aber auch sonst verändert sich durch das Überschreiten der Schwelle etwas in deiner Geschichte.

 

5. Bewährungsproben

Auf seiner wilden Reise muss dein Held viele abgefahrene und extreme Herausforderungen bewältigen. Er wächst über sich hinaus und wird immer mutiger und stärker.

Er wird auf seinem Weg Verbündete und Feinde treffen und wird dabei viel nützliches Wissen lernen und vielleicht auch den ein oder anderen Begleiter gewinnen. Bis er zur tiefsten Höhle vorgedrungen ist.

 

6. Tiefste Höhle

Jetzt wird es richtig turbulent. Dein Held begegnet seinen absoluten Gegenspieler – dem Endboss, Antagonisten oder (nach Campbell) Schatten. Der Schatten muss nicht mal unbedingt eine wirkliche Figur sein. Es kann sich dabei auch um etwas in deinem Helden handeln, das er nun ablegen muss.

Das ist nun die entscheidende Prüfung. Hier muss dein Held nochmal unter Beweis stellen, dass er seine Ängste überwunden hat und auf dieser Reise gewachsen ist.

 

7. Der Raub des Elixiers

Und wie schaut’s aus? War dein Held erfolgreich? Ich hoffe doch! 😉

Wenn er seinen schlimmsten Feind besiegt hat, bekommt er einen Schatz oder das sogenannte Elixier als Belohnung. Dieses Elixier kann nun die Welt des Helden wieder ins Lot bringen.

Dieses Elixier muss nicht unbedingt ein physischer Gegenstand sein. Es kann sich dabei auch um das nötige Wissen handeln, mit der die Welt gerettet werden kann. Wenn du Lust hast, können wir ja mal in den Kommentaren verschiedene Möglichkeiten für so ein Elixier sammeln?

 

8. Die Rückkehr

Dein Held hat gesiegt und kann nun mit dem Elixier in seine gewohnte Welt zurückkehren. Er ist nun ein Anderer – gereift und stärker. Deshalb sprechen wir hier auch von einer Auferstehung.

Du wirst dieses Muster in vielen Varianten immer wieder finden. Ich habe dir die Stationen zusammengefasst, die ich am wichtigsten finde und die für deine praktische Anwendung am hilfreichsten sin.

 

Wie du die Heldenreise für dich nutzen kannst

Du hast es bis hierher geschafft. Respekt! Jetzt weißt du wie gute Geschichten funktionieren. Mach jetzt aber nicht den Fehler, auf die Landkarte anstatt auf deinen Weg zu schauen. Im Grunde weiß dein Held viel besser, wie seine Geschichte funktioniert. Darum vertraue ihm.

 

Du hängst und weist nicht wie es weiter geht

Wenn du aber mal in einer Sackgasse steckst und nicht weiter weißt, kann dir ein Blick auf die Landkarte helfen. Du überlegst dir, an welcher Station der Heldenreise dein Held gerade steckt. So kannst du dich orientieren und schauen was als nächstes kommt.

Wenn dein Held zum Beispiel sich absolut weigert die Reise anzutreten, kannst du ihm einen Sidekick oder einen Mentor schicken. Er wird sich schon berappen.

Falls nicht, würde ich seine Motivation nochmal überprüfen und vielleicht die Dringlichkeit deines Ziels erhöhen… Du schaffst das schon. 😉

 

Dein Gefühl für Geschichten

Wie gesagt, ich bin der Meinung Muster und Schemen bringen dich nur aus dem Schreib- oder Erzählflow. Sie sind zu mechanisch und engen dich unter Umständen ein.

Es lohnt sich aber, dein Gefühl für Geschichten weiter zu entwickeln, indem du die Heldenreise zur Intuition machst. Mach einfach ein Spiel daraus und erzähle ein paar Geschichten ganz bewusst nach diesem Muster.

Eine geniale Inspirationsquelle hierfür sind die Roys Storycubes. Das sind 9 Würfel mit verschiedenen Symbolen. Du würfelst und erzählst anhand der neun geworfenen Symbole eine Geschichte.

Wenn du Lust hast, kannst du das auch als Gemeinschaftsspiel ausprobieren. Dabei erzählt ihr im Kreis die Geschichte und nutzt die Symbole. Jeder hat dabei nur einen Satz zur Verfügung. Macht echt Spaß. Versprochen! J

 

Fazit

Die Heldenreise ist eine Hilfreiche Landkarte die dir beim Erzählen helfen kann. Ganz wichtig ist dabei, dass du nicht den Weg aus den Augen verlierst, weil du nur nach Schema erzählen möchtest.

Ein Grundgefühl für Geschichten hast du ja sowieso. Mit der Heldenreise kannst du dieses spielerisch vertiefen und verbessern.

Ich wünsche dir jetzt viele spannende Geschichten und viel Freude beim Erzählen!

Dein Jonathan

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