Wie du einen Helden erschaffst, der dein Publikum mitreißt

Wie du einen Helden erschaffst, der dein Publikum mitreißt

Du wünschst dir gebannte, gespannte Zuschauer? Du willst, dass dein Publikum bis zur letzten Minute an deinen Lippen hängt? Das sie mit deiner Geschichte und deinen Figuren mitfiebern? Dann musst du einen überzeugenden Helden erschaffen, der dein Publikum mitreißt.

Vor ein paar Tagen habe ich eine abgefahrene Film-Analyse gehört. Es ging um den Film „Titanic“. Und zwar wurde die Behauptung aufgestellt, der Film würde ein manipulatives Bild vermitteln, indem arme Menschen immer gut und reiche immer böse wären.

Warum sonst ist Jack Dawson, ein mittelloser, irischer Künstler der Held der Geschichte, während Roses vermögender Verlobter Calden Hockley ein echter Kotzbrocken ist?

Ein weiterer Beleg für diese Theorie sei die langweilige Party im Oberdeck, während im Unterdeck bei den unvermögenden Passagieren der Bär steppt. Soweit ich mich erinnere, steppt der im wahrsten Sinne des Wortes.

Hm… Ich bin skeptisch. Nein, ich bin sogar schon beim Hören etwas genervt. Nicht weil ich ein totaler Titanic-Fan bin… In meinen Augen handelt es sich bei dieser Deutung um eine etwas verwirrte Verschwörungstheorie.

Denn wie ich dir gleich zeigen werde, handelt es sich bei Jack Dawson, um einen archetypischen Helden. Und, dass sich Geschichtenerzähler diesen Archetypen zu Nutze machen, hat auch einen Grund. Sie wollen ihr Publikum für sich bzw. für den Helden und die Geschichte gewinnen.

Außerdem möchte ich dir einen 3-Schritte-Plan mitgeben, mit dem auch du dir einen so mitreißenden Helden erschaffen kannst.

 

In 3 Schritten einen Helden erschaffen, der dein Publikum mitreißt

Falls dir der Begriff Held nicht so liegt, kannst du gerne auch vom Protagonisten oder deiner Hauptfigur sprechen. Mir gefällt „Held“ sehr gut. Alles andere klingt für mich so technisch. In dem Wort „Held“ steckt die Magie von Märchen und Mythen.

Jedenfalls braucht jede Geschichte einen Helden. Eine Figur, die im Mittelpunkt des Geschehens steht, mit der das Publikum mitfühlt und die volle Pulle die Handlung voran treibt.

Wenn du diese Figur klar hast, und ich werde dir gleich einen Weg dahin zeigen, hast du schon die halbe Miete für deine Geschichte.

 

1. Schritt: Schaffe eine Figur, mit der man sich identifiziert

Deine Figur, dein Held muss dem Publikum die Möglichkeit geben, sich mit ihm zu identifizieren. Wir wollen mitfühlen und mitfiebern, wenn wir Geschichten hören.

Es gibt mehrere Faktoren, die für Empathie sorgen: Ähnlichkeit, Authentizität, Kindlichkeit, und viele mehr. Sicher fallen dir auch viele Eigenschaften ein, die eine Figur für dich sympathisch machen.

Wenn du aber sicher gehen willst, dass deine Figur das Publikum für sich gewinnt, solltest du sie richtig mies behandeln. Sorg dafür, dass es ihr schlecht geht und dein Publikum wird sie lieben.

Warum?

 

Eine Figur, die benachteiligt ist, der ungerechtfertigtes Leid wiederfährt, wird unter Garantie zum Helden des Publikums.

 

Dabei muss die Figur nicht mal stark, moralisch oder heldenhaft sein. Walter White in Breaking Bad z.B. entschließt sich kriminell zu werden und mutet dem Publikum auch viele unmoralische Handlungen zu. Was ihn aber zum Helden macht ist sein ungerechtfertigtes Leid. Er erkrankt an Lungenkrebs. Dabei hat er noch nicht mal geraucht.

Klar gibt es Ausnahmen. Aber im Regelfall ist der Held einer Geschichte benachteiligt. Und die meisten Menschen wissen, wie sich das anfühlt. Wir alle haben uns schon mal so gefühlt. Darum können wir uns auch so gut mit einem benachteiligten Helden identifizieren. Und nicht nur das, wir wünschen uns auch, dass der Held sich aus dieser Benachteiligung herauskämpft. Er soll sich entwickeln und das Blatt wenden.

Dieses psychologische Muster zieht sich durch die Geschichte der Erzählkunst und wahr vermutlich schon Teil der Lagerfeuergeschichten, als wir noch in Höhlen gehaust haben. Und so finden wir es auch noch heute in vielen, vielen Blockbustern- darum eben auch in dem Film Titanic.

In meinen Augen ist auch eine Solidarität mit Benachteiligten durchaus wünschenswert. Das Benachteiligung nicht gleich bedeutet, dass deine Figur arm sein muss, zeigen auch Filme wie „Was das Herz begehrt“, „Wenn Liebe so einfach wäre“ und viele mehr.

 

2. Schritt: Dein Held braucht ein Ziel

Es gibt immer etwas, dass deinen Helden antreibt. Etwas, was er sich wünscht, wo er hin will. Oder etwas was gerade wirklich nicht gut ist, was er ändern möchte, wovon er weg möchte.

Dieses Ziel kann direkt oder indirekt natürlich mit der Benachteiligung, der misslichen Lage deines Helden zu tun haben. Es wird aber in jedem Fall dafür sorgen, dass deine Zuschauer und Zuhörer ihm bis zum Ende deiner Geschichte folgen werden.

Das Ziel des Helden wirft nämlich die dramaturgische Frage auf: Wird der Held sein Ziel erreichen? Und das Publikum rechnet instinktiv damit, dass diese Frage am Schluss deiner Geschichte beantwortet sein wird. Die Antwort ist quasi dein Versprechen an dein Publikum.

 

3. Schritt: Mach es deinem Helden richtig schwer.

Sobald das Ziel klar ist, hast du deinen Helden und damit auch deine Geschichte. Ab jetzt geht es nur noch darum, deinem Helden Steine in den Weg zu legen und es ihm so schwer wie möglich zu machen, sein Ziel zu erreichen. Er soll kämpfen, ringen und sich dabei entwickeln.

Dabei gilt die Regel: Der Zufall darf gegen deinen Helden spielen, aber nie für ihn. Das heißt, es können sich Schwierigkeiten für deinen Helden durch Zufall ergeben. Lösungen muss der Held jedoch selber finden. Und dabei darf er gerne auch über sich hinaus wachsen.

Genauso wichtig wie die Schwierigkeiten ist also, dass dein Held Gas gibt. Der Held sollte das aktivste Element deiner Geschichte sein. Sonst landen wir bei Twilight und Bella Swan.

 

Wer ist nun dein Held?

Wie ein Held nun konkret aussieht, liegt ganz bei dir. Du kannst selber der Held sein, du kannst eine reale Figur nehmen oder du erfindest eine.

Nach Joseph Campell und C.G. Jung sind der Held und seine Funktion archetypisch. Das heißt auch, dass wir ein klares Bauchgefühl für diese Figur haben und uns darauf beim Gestalten auch verlassen können.

Welche Helden haben dich bisher begeistert? Schreib sie gerne in die Kommentare. Einen von meinen kennst du ja bereits: Walter White.

 

Fazit

Um einen Helden zu schaffen brauchst du eine Figur, mit der sich dein Publikum identifizieren kann.

Generell können wir uns mit Figuren gut identifizieren, die benachteiligt sind. Mit ihnen fiebern wir mit und wünschen uns, dass sie sich aus ihrem Schlamassel befreien.

Damit dein Held dann auch beginnt durchzustarten und deine Geschichte ins Rollen kommt, braucht er ein Ziel.

Jetzt noch 90 Minuten bei 220 Grad Umluft…

Und fertig ist dein Held.

Viel Freude, 😉
Dein Jonathan

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