Zündstoff für deine Geschichten: Der Fish-out-of-water

Zündstoff für deine Geschichten: Der Fish-out-of-water

Wusstest du, dass ich mit zwei lesbischen Müttern aufgewachsen bin? Ja das war tatsächlich so. Warum ich damit anfange? Weil dir meine ungewöhnliche Kindheit viel über gute Geschichten beibringen kann. Darum lasse ich für dich heute ein bisschen meine Hosen runter und begebe mich auf dieses dünne Eis.

Natürlich war ich als Mann bzw. als Junge unter diesen beiden Müttern ein gewisser Sonderling. Auch wenn eine der beiden Mütter meine leibliche Mutter war (die andere nicht, falls du dich das jetzt fragst… ;-)), war kein wirklicher Vater in der Nähe. Ich war der einzige Mann weit und breit.

Merkwürdig wird die Geschichte allerdings erst an dem Punkt, an dem ich wirklichen Männern begegnet bin. Ich konnte ja von Frauen – auch wenn manch eine Lesbe viel Männliches hat – schwer lernen ein Mann zu sein. So war ich nun auch unter Männern ein Sonderling. Natürlich hat das für viele Herausforderungen und auch den ein oder anderen wirklich merkwürdigen Moment gesorgt.

Und genau diese Herausforderungen liefern den Stoff für wirklich gute Geschichten. Um jetzt aber daraus eine hilfreiche Regel für gutes Storytelling destillieren zu können, müssen wir einen Schritt zurück treten. Wir müssen uns fragen, wie es zu diesen Herausforderungen kommen kann.

 

Der Fisch ohne sein Wasser – Fish-out-of-water

Wir haben auf der einen Seite unsere Hauptfigur – in diesem Fall mich – und auf der anderen Seite ein Setting bzw. eine Umgebung, in der dieser ein Sonderling ist. Das ganze nennen wir dann einen Fish-out-of-water-Character bzw. einen Fish-out-of-water-Plot.

Wenn du deine Hauptfigur aus ihrem gewohnten und passendem Umfeld herausholst, ist das wie Dynamit für deine Geschichte. Dein Held muss sich aus seiner Komfortzone herausbegeben und in einen Bereich hinein, in dem er sich nicht auskennt.

Hier ist er erst mal in einem absoluten Nachteil, was ihn für dein Publikum überhaupt erst interessant macht. Er ist gegenüber dem Setting in einem absoluten Tiefstatus und kommt erst mal scheinbar gar nicht zurecht. Er eckt an, wird ausgenutzt und gerät in Gefahr.

Hier steckt sehr viel Potential für Humor drin. Denk an Filme wie „17 again“, „30 über Nacht“, „Ein Goldfisch fällt ins Wasser“, „Sister Act“ und viele mehr. Darüber werde ich aber auf jeden Fall noch mal einen extra Artikel schreiben.

Dein Held muss nun über sich hinauswachsen. Er muss mit den Schwierigkeiten klar kommen lernen und sich entwickeln. Dabei wird sich sein Status auch heben.

Denk z.B. daran, wie Schwester Mary Clarence alias Deloris van Cartier in „Sister Act“ zu Beginn überall aneckt und ohne Essen und Schlaf völlig überfordert ist mit dem Nonnenalltag. Dann findet sie eine Möglichkeit ihr Fähigkeiten als Sängerin einzubringen, indem sie die Leitung des Nonnenchors übernimmt. Am Ende ist sie die stärkste Persönlichkeit und sogar ihre anfängliche Rivalin die Mutter Oberin stellt sich hinter sie.

 

Finde deinen Fish-out-of-water

Du hast also zwei Bausteine, um einen Fish-out-of-water zu basteln: Den Fisch und das Wasser. Je nachdem mit welchem Baustein du anfängst, musst du nur die passende oder besser unpassende Ergänzung finden. Es gibt also zwei Wege für dich:

 

1. Du hast bereits einen Helden

Wenn du bereits eine Figur bzw. einen Helden für deine Geschichte hast, dann hol ihn nun aus seinem Wasser heraus.

Stell dir einfach folgende Fragen:

 

Wo gehört dein Held von Natur aus nicht hin?

Wo würde er anecken und gar nicht zurecht kommen?

Wo sind die Grenzen seiner Welt und seiner Komfortzone?

 

Mach das gleich mal praktisch! Nimm dir einen Stift und ein Schmierpapier. Oben schreibst du den Namen deines Helden hin. Wenn du noch keinen hast, nimm jemanden, den du kennst oder benutze meine Heldenbackanleitung.

Als nächstes schreibst du darunter zehn Orte, die für deinen Helden eine Herausforderung wären. Nutze dazu die Fragen von oben.

Hast du zehn gefunden? Alles klar, sehr cool!

Als nächstes könntest du dir überlegen, wo das meiste Potential drin steckt. Aber bevor du jetzt los legst und deine Geschichte startest, schauen wir uns noch den umgekehrten Weg zu deinem Fish-out-of-water an.

 

2. Du hast schon ein Setting

Wenn du schon ein Setting für deine Geschichte hast, suchst du den schrägsten Vogel für diesen Ort.

Hier kannst du dich fragen:

 

Wer passt hier überhaupt nicht rein?

Wen würde dein Setting völlig überfordern?

Wer würde dort nicht mal vorbeischauen, wenn es um sein Leben ginge?

 

Probiere es gleich mal wie oben aus. Such dir ein Setting aus und finde zehn Figuren, die völlig fehlplatziert sind.

Um so extremer der Kontrast zwischen deiner Figur und dem Setting ist, um so größer ist das versteckte Potential für eine gute Geschichte.

 

Fazit

Der Fish-out-of-water ist wie Zündstoff für gute Geschichten. Außerdem ist er sehr leicht zu finden bzw. zu basteln. Du fängst mit dem einen Baustein an – Fisch oder Wasser – und suchst das unpassendste Gegenstück.

Ich würde mich sehr freuen, wenn dir dieses Erzähl-Instrument bei deinen Geschichten weiter hilft und ich dich mit dem Artikel etwas unterstützen konnte.

Schreib deine zwanzig Kombinationen gerne in die Kommentare. Auch über Fragen, Wünsche und Vorschläge würde ich mich sehr freuen.

 

Welcher Herausforderung stehst du gerade gegenüber?

Gibt es etwas, bei dem du Unterstützung gebrauchen könntest?

Wo bist du gerade der Fish-out-of-water in deinem Bühnenalltag?

 

Ich freu mich auf dein Feedback und wünsche einen mitreißenden Bühnenauftritt,

Dein Jonathan

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