Warum du als Comedian und Bühnenkünstler Mut brauchst

Warum du als Comedian und Bühnenkünstler Mut brauchst

Ein Comedian braucht Mut. Jan Böhmermann hat das jüngst gezeigt, als er den türkischen Präsidenten Erdogan an den Karren gefahren ist.

Das Mutig-sein fängt allerdings viel früher an. Und auch wenn du als Bühnenkünstler oder Comedian auf die Bühne willst, brauchst du Mut.

Ich will es gleich mal auf den Punkt bringen: jeder Gag und jede Pointe, die du dir ausdenkst, kann auf der Bühne krepieren. Es kann sein, dass du auf der Bühne stehst und keiner lacht. Und das kann sich richtig fies anfühlen.

Ich will dir jetzt aber keine Angst machen. Es ist genial und ein großartiges Gefühl auf der Bühne zu stehen. Und sicher hast du das schon einige Male erlebt, sonst würde dich das nicht so reizen. Aber die Chance, dass wir Bühnenkünstler scheitern, gehört nun mal dazu.
Mit der Zeit wird deine Erfahrung wachsen und du sammelst auch ein Repertoire an Nummern, die funktionieren. Wenn du aber anfängst dich darauf auszuruhen, kann das sehr schnell auch zu deinem Verhängnis werden. Du wirst berechenbar und langweilig.

Das heißt du musst dich immer wieder aus deiner Komfortzone rausbewegen und Neues probieren, Grenzen einreißen und Wagnisse eingehen.

Das Publikum wird dich für deinen Mut auf jeden Fall immer wieder auch belohnen. Ob ein Gag aber zündet, weißt du erst wenn du ihn ausprobiert hast.

 

Die 9er-Regel

Wenn du gerade anfängst zu schreiben lohnt es sich daher auf Quantität zu setzen. Du schreibst so viel es nur geht ohne einen Gedanken an Qualität. Dabei dürfen richtig lahme Gags dabei sein.

Um dir das ein wenig zu erleichtern hat John Vorhaus für Comedy-Autoren die 9er-Regel entwickelt. Du gehst dabei davon aus, dass von 10 Gags 9 Schrott sind. Und das ist auch in Ordnung

Mit dieser Haltung verkrampfst du dich beim Schreiben nicht und hast in Null-Komma-Nichts einen Haufen von Gags auf dem Papier.

 

Kreativität und Arbeit trennen

Kreativität und Humor verabschieden sich dort, wo du dir Druck machst. Zum Beispiel dann, wenn du dir sagst: ‚Das muss jetzt richtig witzig sein!’ – ‚Das darf nicht langweilig werden!’ – ‚Das muss unbedingt innovativ sein!’… Und, kennst du diese kleinen Freunde auch?

Schmeiß sie einfach über Board und sei es nur beim Schreiben. Erlaube dir sogar langweilig und unlustig zu schreiben. Du kannst auch mal ausprobieren, dir vor zu nehmen, Schrott zu schreiben.

Wenn du einen ausgeprägten inneren Kritiker hast, sag ihm, dass er noch zum Zuge kommen wird. Jetzt aber ‚Still! Ich schreibe nämlich’. Meistens beruhigt sich diese Stimme dann von ganz allein. Du trennst dein kreatives Schaffen von der ‚Arbeit’ – dem Recherchieren, Verbessern, Umstellen und Layouten.

 

Die 9er Regel ist ein Hilfsmittel und keine Statistik

Später kannst du ja nach der 9er-Regel aussortieren…

Aber Vorsicht… Vorhaus sagt ganz deutlich, dass es sich nicht um eine Statistik handelt. Es können auch alle 10 Gags der Burner sein. Die 9er-Regel ist nur eine Fiktion, die den Druck raus nehmen soll.

Wenn du jemandem eine Aufgabe (bitte nicht Mathe) zum Lösen gibst, wird er möglicherweise blockiert sein. Sagst du ihm aber, er solle dir in 10 Minuten 3 Lösungsvorschläge aufschreiben, geht das Ratz-Fatz. Wo liegt der Unterschied?

 

Übung: 10 lustige Filmtitel

Lass und gleich mal konkret werden. Finde 10 lustige Filmtitel. Auf die Plätze, fertig…Los!

Fertig? Cool!

Ich hab’s auch gleich mal probiert:

  • Mein erstes Lama
  • Paul war’s
  • Vertraue keinem Mathelehrer
  • Wer schaut sich diesen Film denn an?
  • Einmal im Ferienlager
  • Seife zum Kaffee
  • Der Mann mit dem Entsafter
  • Sei Still!
  • Erdogan und Gretel gingen in den Wald
  • Wer war das?

Und wie schaut’s aus? Ist ein genialer Titel dabei? Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Auf jeden Fall sehr cool, dass du die Aufgabe gemacht hast. Bleib dran und regelmäßig schreiben.

 

So kannst du deine Gags testen

Wenn du ein paar Gags gesammelt hast – die schlechten hast du schon mit der 9er-Regel aussortiert, geht es um’s Ausprobieren. Das muss nicht gleich auf einer Bühne sein. Bau einfach deine Juwelen erst mal in alltägliche Gespräche ein und beobachte die Reaktionen.

Nicht jeder hat den gleichen Humor. Trau dich also, deine Gags öfter auszuprobieren. Mit der Zeit bekommst du ein Gefühl dafür, welche Gag’s laufen und welche absaufen.

Nächster Schritt: Geh mit den Kronjuwelen auf die Bühne.

 

Ab auf die Bühne!

Wenn du meinst du bist noch nicht soweit: Mach es trotzdem! Trau dich. Such dir eine offene Bühne und los. Wenn du nicht gerade arrogant auf die Bühne kommst, wird dein Publikum schon lieb mit dir umgehen.

Umso länger du wartest, umso größer wird die Hürde. Und du kannst nur ein Gefühl für dein Publikum und die Bühne gewinnen, wenn du dich ausprobierst. Durch deinen Mut zu Scheitern wirst du definitiv schneller wachsen und schneller deine Stimme finden.

Wenn du später mal zurückschaust und dir dein erster Auftritt nicht ein bisschen peinlich ist, hast du definitiv zu lange gewartet. Also los, hau rein! Ich feier dich schon jetzt dafür.

Wenn du mal viel gutes Material hast, also ein Killer-Repertoire, wird das Ausprobieren auch definitiv leichter. Im nächsten Artikel stelle ich dir dazu einen genialen Weg vor. Für heute reicht es aber erst mal…

 

Fazit

Keiner startet mit einem Killer-Repertoire. Am Anfang brauchst du den Mut zum Scheitern und die Freiheit auch Schrott zu schreiben. Kreativität braucht einen entspannten Geist. Dein Geist ist nur dann entspannt, wenn du dir keinen Druck machst. Denk dafür an die 9er-Regel.

Danach geht es ans Ausprobieren. Bring dein Material nach draußen, beobachte die Reaktionen und siebe deine Rosinen heraus.
Und dann ab auf die Bühne. Lass die dafür nicht zu viel Zeit. Trau dich und lerne dazu.

Dafür wünsche ich die viel Mut und dann geniale Auftritte!

Dein Jonathan

 

 

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